Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

12. April 2013

Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Jetzt ist es klar gestellt: Es kommt auf die tatsächlich gefahrene Strecke an!

Bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist die tatsächlich gefahrene Strecke, also auch einen Umweg anzuerkennen, wenn dieser „offensichtlich verkehrsgünstiger“ als die kürzeste Straßenverbindung ist.

In der Vergangenheit haben mehrere Finanzgerichte entschieden, der Umweg sei nur dann anzuerkennen, wenn damit eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten erreicht werde. Dieser Auffassung hat der Bundesfinanzhof nunmehr in drei Urteilen deutlich widersprochen (BStBl 2012, S. 470, 486, 802). Danach ist die Zeitersparnis zwar kein unwesentliches Merkmal, doch auch dann, wenn keine Zeit eingespart wird, kann der Umweg „verkehrsgünstiger“ sein, nämlich dann, wenn er „zuverlässiger“ ist.

Der tatsächlich gefahrene Umweg kann sich im Vergleich zum kürzesten Weg dadurch auszeichnen, dass der Arbeitnehmer bedingt durch weniger Ampelschaltungen, weniger Staubildungen, weniger Bauarbeiten oder durch Vermeidung technischer bzw. witterungsbedingter Störungen des Fährbetriebes regelmäßig Arbeitszeiten und Termine verlässlich planen kann. Dann gilt der Umweg als verkehrsgünstiger, weil zuverlässiger als der kürzeste Weg. Nach dem neuen Schreiben des Bundesfinanzministeriums ist diese Rechtsprechung in allen offenen Fällen anzuwenden (BStBl 2013 I S. 215).

Sollte Ihr Finanzamt die Kilometer für die tatsächlich gefahrene Strecke nicht berücksichtigt haben, sollte innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Bescheides Einspruch eingelegt und die Anerkennung des Umweges gefordert werden.